Im Aquarium

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Montag, 15. Mai 2017

Debattenwächter

„Everyone is entitled to his own opinion, but not his own facts.“ (Daniel Patrick Moynihan)


Seit einigen Jahren haben die etablierten Medien an Glaubwürdigkeit verloren. Als Beispiel mag die Desinformation zu Themen wie Euro-Rettungspolitik, NSA-Skandal, Ukraine-Konflikt, TTIP, Zentralisierung und Militarisierung der EU und die Flüchtlingspolitik stehen. Natürlich gibt es immer noch seriöse Journalisten, die recherchieren und bereit sind, gegen den Strom zu schwimmen, sogar solche, die selbstkritisch der eigenen Branche den Spiegel vorhalten. Aber sie befinden sich in der Minderheit und dienen bestenfalls als Feigenblatt.

Der Wahlausgang in den USA im vergangenen Jahr hat den Graben zwischen der politischen Elite und den Menschen, für die sie angeblich da sind, offenbar werden lassen. Große Teile des linken Establishments leben in einer Filterblase und sehen auf die herab, für die sie vor langer Zeit mal gekämpft haben. Kritisiert werden nicht mehr die Herrschenden, sondern die Beherrschten. Ex-Bundespräsident Joachim Gauck hat die ganze Verachtung der Oberschicht gegenüber den Durchschnittsbürgern zum Ausdruck gebracht, als er im Fernsehen erklärte, nicht die Eliten seien das Problem, sondern die Bevölkerung.

Der Niedergang des Journalismus’ hat mehrere Ursachen. Zum einen gibt es handfeste wirtschaftliche Gründe dafür, etwa die Konkurrenz durch das Internet oder die Wirtschaftskrise und der damit verbundene Stellenabbau, der zu Angst um den Arbeitsplatz und Anpassung führt. Auslandsbüros werden geschlossen, die Lücke füllt eine Handvoll Nachrichtenagenturen, was vermehrt dazu führt, dass alle Zeitungen dasselbe schreiben. Auch die Verlagskonzentration ebnet Unterschiede ein. Der Politikwissenschaftler Thomas Meyer kommt in seinem Buch „Die Unbelangbaren“ zu dem Schluss, dass Journalisten aufgrund dieses Konzentrationsprozesses damit rechnen müssen, schon morgen bei einer Redaktion zu landen, die sie heute noch kritisieren. Das lässt sie vorsichtig werden und den Schutz der Herde suchen.*

Hinzu kommen mangelhafte journalistische Sorgfalt, sei es aufgrund von Bequemlichkeit oder Unvermögen. Die Kommunikationswissenschaftlerin Barbara Baerns wies in den 1980er Jahren anhand der Gegenüberstellung von landespolitischer Öffentlichkeitsarbeit in NRW und der Berichterstattung über landespolitische Themen in der Presse nach, dass 60 – 70 Prozent der Berichterstattung auf die Öffentlichkeitsarbeit zurückgingen und Texte häufig Wort für Wort übernommen wurden.**

Filz und Verflechtung sind weitere Aspekte. Die gewaltige Medienbeteiligung der SPD beispielsweise ist nicht gerade ein Garant für Meinungsvielfalt. Und wenn Medien personell aufs Engste mit der Politik verknüpft sind, wenn also beispielsweise Joachim Sauer, der Ehemann von Bundeskanzlerin Angela Merkel, im Kuratorium der Friede Springer Stiftung sitzt, ist das einer kritischen Haltung gegenüber der Politik nicht förderlich. Ebenso wenig, wenn mit Ulrich Wilhelm ein Mann Intendant des Bayerischen Rundfunks wird, der mehrere Jahre lang Chef des Presse- und Informationamtes und Pressesprecher der Bundesregierung war.

Auch dürfte nicht ganz unwichtig sein, dass vier der sechs größten deutschen Zeitungs- und Zeitschriftenverlage von Frauen beherrscht werden, die sich hinsichtlich der Befürwortung von Frauenquoten einig sind, nämlich Liz Mohn (Bertelsmann, Gruner & Jahr), Friede Springer (Axel Springer), Yvonne Bauer (Bauer Media) und Petra Grotkamp (WAZ). Eine Analyse der Besitzverhältnisse der Zeitschriftenverlage gelangt zu der Einschätzung, dass fast alle Milliardenkonzerne der Branche mehr oder minder feministische Gruppierungen sind. Nicht zu vergessen: 30 – 40 Prozent der Politikjournalisten fühlen sich den Grünen zugehörig, weitere ca. 20 Prozent der SPD, das bedeutet: 50 – 60 Prozent aller Journalisten stehen der feministischen Ideologie nahe. Vor gut einem Jahr habe ich feministische Netzwerke in den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten analysiert und festgestellt, dass sämtliche Intendanten und Talkshowmacher in ARD und ZDF den Feminismus unterstützen. Das bedeutet: Es gibt dort eine hundertprozentige Feminismusquote bei denjenigen, die aufgrund ihrer Leitungsposition oder durch ihr Sendeformat bestimmen, wie hierzulande über Geschlechterfragen diskutiert wird.


Die Reaktion auf den Vertrauensverlust

Das Publikum übt mittlerweile immer vernehmlicher Kritik an diesen Zuständen oder wandert gleich zu alternativen Medien ab. Und wie gehen Medienmacher damit um? Zum einen, indem sie Kommentare löschen, und zwar keineswegs nur Pöbeleien, sondern auch sachlich vorgetragene fundierte Kritik, und indem sie Kritiker verteufeln oder lächerlich machen. Größtenteils ignoriert werden auch die medienkritischen Bücher und Artikel von Fachleuten, von denen einige Teil des Systems waren und wissen, wovon sie reden.

Die ehemaligen NDR-Mitarbeiter Friedhelm Klinkhammer und Volker Bräutigam beispielsweise haben 2016 die Öffentlich-Rechtlichen als tendenziös, defizitär, agitatorisch, propagandistisch und desinformativ beschrieben. Die Nachdenkseiten stellen dar, dass heutzutage vorwiegend Kampagnenjournalismus betrieben wird und keine gesellschaftspolitische Entscheidung mehr ohne massive Meinungsmache zustande kommt. Der Rechercheur Hans Leydendecker von der Süddeutschen Zeitung konstatiert, es gebe „immer öfter komplizenhafte Verstrickungen zwischen Wirtschaftsführern, Politikern, Werbeindustrie und Journalisten“.*** Der US-amerikanische Statistiker Nate Silver bescheinigt der medialen und politischen Elite einen Hang zu Gruppendenken und Herdenmentalität, aus dem sich ein sich-selbst-verstärkender Meinungskonsens ergäbe, der kaum mehr zu erschüttern sei. Widersprechende Realitäten würden übergangen oder umgedeutet werden, bis sie in die kollektive Sichtweise passen.

Ein weiterer Baustein im Versuch, die verlorene Herrschaft über die öffentliche Meinung zurückzugewinnen, ist der Propagandakrieg. Alternative Informationskanäle im Internet werden pauschal mit inhaltslosen Schlagworten wie „Hate Speech“, „Fake News“, „postfaktisch“ und „Populismus“ abgewertet, während die etablierten Medien sich selbst das Etikett „Qualitätsjournalismus“ umhängen. Dabei hat schon Roger de Weck, ehemaliger Chefredakteur der Zeit, festgestellt: „Die wahren Populisten sind die Journalisten.“

Vor allem jedoch setzen sie auf Zensur und werden darin von der Politik unterstützt. Ulrich Wilhelm, der schon erwähnte Intendant des Bayerischen Rundfunks, fordert drakonische Strafen für Fake-News in sozialen Netzwerken. Die UN arbeitet gemeinsam mit Konzernen wie Google, Microsoft und Yahoo an einem umfassenden Zensursystem fürs Internet. Die EU hat eine Richtlinie verabschiedet, die den nationalen Regierungen weitreichende Möglichkeiten einräumt, die Meinungs- und Pressefreiheit einzuschränken. Die Große Koalition hat im Kabinett ein Gesetz gegen Hasskommentare und Falschnachrichten beschlossen, das hohe Bußgelder vorsieht, wenn Firmen wie Facebook, Google oder Twitter nicht wunschgemäß zensieren. Das Bundesinnenministerium richtet ein „Abwehrzentrum gegen Desinformation“ ein. Manuela Schwesig startet die #nohatespeech-Kampagne, deren Praxis sogar der wissenschaftliche Dienst des Bundestags kritisiert, unter anderem deswegen, weil das geltende Strafrecht an Handlungen geknüpft ist und nicht an Meinungen.

Gern wird gegen den Vorwurf der Zensur der Einwand erhoben, dass es sich dabei um legitime Nachzensur handele. Der Blogger Hadmut Danisch hat jedoch deutlich gemacht, dass die Grenze zur Vorzensur überschritten wird, wenn durch kurze Fristen und automatisierte Verfahren ein großer Teil der Interessenten die beanstandeten Artikel gar nicht mehr lesen kann. Ganz zu schweigen davon, dass zunehmend nicht mehr strafbare Handlungen in den Fokus der Zensierer geraten, sondern unliebsame Meinungen. Und erst recht zu schweigen davon, dass künftig keine Richter, sondern Laien darüber urteilen, was strafbar ist.

Denn Bundesjustizminister Heiko Maas versucht, Zensurmaßnahmen, die ihm staatlicherseits verwehrt sind, auf private Eingreiftruppen auszulagern, also eine Privatisierung der Zensur vorzunehmen. Mit Mitteln aus dem Frauenministerium hat sich unsere Regierung den Polit-Dienstleister Amadeu Antonio Stiftung eingekauft, ein undurchsichtiges Unternehmen unter Leitung von Ex-Stasi-Mitarbeiterin Anetta Kahane, die alles jagt, was nicht die richtige Gesinnung teilt.

Des weiteren gibt es die Journalistenorganisation „Correctiv“, die unter anderem unwahre Berichte im Internet richtigstellen soll. Die Redaktionsmitarbeiter kommen aber fast alle aus den etablierten Medien (Spiegel, Stern, Zeit, Bild, Deutschlandfunk, Arte, ZDF, taz, Geo, Reuters, Welt). Der Begriff „Interessenkonflikt“ scheint diesen Menschen unbekannt zu sein.

Außerdem gibt es das „Netzwerk Recherche“, die „Neuen Deutschen Medienmacher“ und andere Organisationen, die allesamt eine unabhängige Kontrolle der Medien suggerieren, in Wahrheit jedoch das Establishment stützen.


Geschlechterdarstellung in Medien

Kommen wir nun zu unserem eigentlichen Thema. Beispiele für Männerverachtung, wahllos herausgegriffen, zum Beispiel anhand von Titelschlagzeilen aus dem Spiegel: „Schlaue Mädchen, dumme Jungen“ oder „Junge Männer. Die gefährlichste Spezies der Welt“. Der 100. Geburtstag von Simone de Beauvoir wird vom Spiegel genutzt, um Männer als das „oft dümmere, meist emotional ärmere“ Geschlecht zu denunzieren. Und auf Spiegel-Online heißt es gleich klipp und klar: „Männer sind doofer“. Die Süddeutsche Zeitung betreibt eine 25-teilige Propagandakampagne für den Feminismus. Lalon Sander reagiert seine Männerverachtung in der taz-Kolumne „Dumme weiße Männer“ ab. Funk, ein Gemeinschaftsangebot von ARD und ZDF, fördert den Youtube-Kanal „Jäger & Sammler“, der sich an 14- bis 28jährige richtet, und protegiert dort die Radikalfeministin Suzie Grime („Ich liebe Männer. Ich wünschte, die meisten wären keine Deppen.“). Das ist nichts anderes als Hate Speech.

Über feministische Twitterkampagnen wie #ausnahmslos wird trotz Substanzlosigkeit und mangelnder Beteiligung bereits 26 Minuten nach dem Start im ZDF berichtet, während die Debatte #tüpischtüpen mit Tausenden von Tweets über Benachteiligungen von Männern von den Medien ignoriert wird.

Ein typisches Beispiel für die Kritiklosigkeit, mit der radikalfeministische Mythen übernommen werden, stellt die unsägliche Fra-Studie (Gewalt gegen Frauen: eine EU-weite Erhebung, 2014) dar. Die Studie behauptet, dass 35% der Frauen in Deutschland körperliche und / oder sexuelle Gewalt und 50% psychische Gewalt in Partnerschaften erfahren hätten. Es ist hier nicht der Raum, um detailliert auf die Manipulationsstrategien einzugehen, derer sich die Macher bedienen, ich habe das ausführlich in meinem Blog getan. Um nur die übelste herauszugreifen: Schreckliche und harmlose Vorfälle werden in einen Topf geworfen, um zu hohen Betroffenenzahlen und damit zum gewünschten Ergebnis zu kommen. Eine Frau, die seit ihrem 15. Lebensjahr schon mal geschubst oder an den Haaren gezogen wurde, fällt in dieselbe Kategorie „Opfer physischer Gewalt“ wie eine Frau, auf die eingestochen wurde, und gilt fürderhin als Gewaltopfer. Wenn also ein fünfzehnjähriges Mädchen auf dem Schulhof von ihrer besten Freundin geschubst wurde, gilt das als Beweis für systematische Männergewalt gegen Frauen. Und ein solches Machwerk wird bis in die Tagesschau hinein kritiklos zitiert!

Ein weiteres Beispiel für die Bereitschaft der Medien, alles zu glauben, was Männer verunglimpft, ist ein Beitrag im British Medical Journal, der scheinbar beweist, dass Männer Idioten sind. In Wahrheit war der Artikel als Parodie gemeint. Journalisten haben jedoch begeistert Schlagzeilen daraus gestrickt, allen voran Anja Garms von der Welt: „Männer sind nicht nur Trottel, sondern: Idioten. Frauen, denen dieser Gedanke öfter durch den Kopf geistert, sind sich jetzt eines wissenschaftlichen Hintergrunds sicher.“ Ähnlich berichteten Spiegel Online, Deutschlandfunk, Focus, ORF, Berliner Zeitung, Südkurier, Rheinische Post, Stuttgarter Nachrichten, Westfälische Nachrichten, Märkische Allgemeine, RP Online und mindestens ein Dutzend weitere Medien.

Die Doppelmoral, mit der in den Medien durchgängig über Männer und Frauen geredet wird, entlarvt sich selbst im direkten Vergleich.


Zum Beispiel: Sextourismus

Der Cicero titelt: „Gefügige Frauen, befriedigte Egos. Millionen Sextouristen fallen jährlich in Länder ein, in denen es neben Sonne, Strand und Meer auch Frauen zu Spottpreisen gibt. (...) Viele Sextouristen kommen aus gehobenen Gesellschaftsschichten, es sind Ärzte, Anwälte, Manager und Politiker. Männer, die Einfluss haben und Macht ausüben, und denen eine gefügige Frau dabei hilft, ihr narzisstisches Ego zu befriedigen. Für viele ist Sexurlaub auch eine Flucht aus einer komplizierten Paarbeziehung. (...) Einfacher und schneller als eine Paartherapie ist für manche dann eben der Sexurlaub. Statt Probleme auf Augenhöhe mit der Partnerin auszudiskutieren, steigt der Mann ins Flugzeug und sucht sich ein scheinbar anspruchsloses und gefügiges Mädchen, das seine sexuellen Wünsche erfüllt. Für ein paar Dollar bekommt er das Gefühl, stark und mächtig zu sein. Die Devotheit der jungen Geliebten befriedigt ‚einen zusätzlichen sexuellen Trieb der Unterwerfung.’“

Zeit-Online: „Sie kaufen sich das Gefühl, mächtig und liebenswert zu sein. Zu Hunderttausenden reisen alljährlich Männer aus dem reichen Norden in die Rotlichtbezirke des armen Südens, wo Sex noch billig zu haben ist.“

Wenn es dagegen um weiblichen Sextourismus geht, sieht die Berichterstattung so aus wie in der Welt: „In dem Film ‚In den Süden’ spielt Charlotte Rampling eine Frau jenseits der 50, die sich nimmt, was sie will. Und das ist Sex. Richtig so, (...) schließlich ist ein Vorteil des Alters, endlich befreit von Familien- oder Karrierestress genießen zu können. (...) Heute küssen Frauen bedeutend häufiger jüngere Männer, ob nun im Film oder im wahren Leben. Viele 50- und 60-jährige Single-Frauen wollen keinen verkrusteten Partner mehr, der einen gemütlichen Lebensabend mit einer Seniorin sucht, die wie Mutti kocht und ihm Haartinktur in die kahlen Stellen reibt. (...) Die Besucherinnen [des Films] stören sich nicht einmal daran, dass in dem Film reiche Touristinnen ihre unausgelebte Libido mit minderjährigen Beach-Boys befriedigen. Immerhin bekommnen die ja üppige Mahlzeiten und kleine Geschenke für ihre Dienste.“

Bei männlichen Sextouristen lesen sich die „üppigen Mahlzeiten“ dann so wie in der taz: „Manche Männer stellen sich als eine Art Entwicklungshelfer dar, wenn sie einer Familie Geld geben, mit dem diese dann ein kleines Café oder ein Guesthouse mit ein paar Zimmern in einem Badeort aufbauen kann. So wie Werner, ein deutscher Rentner aus Nordrhein-Westfalen. Der Mann sitzt unter einem Sonnenschirm aus Palmenblättern. Nackter, weißer Bauch, der sich über eine rote Boxershorts arbeitet, vor sich ein Bier.“ Nach der Zwischenüberschrift „Absurde Rechtfertigungen“ folgt die Passage: „Ein junges Mädchen läuft herbei, sie räumt den Teller mit den Fischgräten ab. Werner greift nach ihrem Arm und umfasst ihre Hüfte. Er schnauft: ‚Sextourismus? Was für ein Quatsch.’“

Besonders perfide wird es dort, wo beim weiblichen Sextourismus sogar die Opfer zu Tätern gemacht werden. Wieder die Welt. Titel: „Von türkischen Gigolos und deutscher Einsamkeit. Deutsche Frauen reisen auch gern an die türkische Riviera, um ihren einsamen Herzen ein wenig Nähe und Wärme zu gönnen. (...) Erkan ist Gigolo. Er bietet einsamen Frauen ‚Spaß’, wenn sie genügend materielle Gegenleistung bieten. Er wohnt im türkischen Badeort Antalya, wie Dutzende andere Gigolo-Kollegen. Andere kommen jeden Sommer aus den Dörfern des Südostens an die Küste zur großen Jagd auf die westlichen Frauen und ihr Geld. Zu Beginn der Saison schließen sie Wetten ab, wer diesmal die größte Beute zusammenbringt. (...) Kaum einer wird wirklich reich, aber jeder kennt eine Geschichte vom großen Coup. Um den zu landen, muss man sich noch ein bisschen mehr überwinden als Erkan und eine richtig alte Frau heiraten. Das ist der Weg ins Glück für die Männer und in den Ruin für die betroffenen Frauen. (...) Das ist der Stoff, aus dem türkische Gigolo-Träume gemacht sind. Wie viele Frauen auf diese Weise Glück suchen und Unglück finden, das weiß wohl niemand.“


Zum Beispiel: Mord, Amok, Kindsmord

Der Spiegel: „Nicht wenige Frauen verüben einen Mord gleichsam als Befreiungsschlag. ‚In vielen Fällen geht der Tötung ein längerer Prozess des Abwägens voraus’, sagt Kriminalpsychologe Egg. Der Mord sei ‚der Versuch, eine unerträglich werdende Qual zu beenden.’ Frauen töten, um sich aus Beziehungen zu befreien, in denen sie geprügelt und gedemütigt würden und aus denen sie keinen anderen Ausweg sähen. ‚Männer töten dagegen eher aus Wut, Verlustangst und Eifersucht. (...) Nicht selten töteten Männer gar zweimal: Jeder zehnte nimmt sich nach der Tat das Leben.“

In einem anderen Artikel berichtet der Spiegel über eine Frau, die ihren fünf Monate alten Sohn erstickt: „Es ist eine Tragödie, die nichts gemein hat mit den Fällen, in denen überforderte Eltern, meist Väter und Stiefväter, im Gewaltrausch ihre Kinder töten. Kinder, die sie zuvor Wochen, Monate lang vernachlässigt und misshandelt haben. (...) Dieser Fall ist vielmehr eine Tragödie, die sich aus den unerfüllten Sehnsüchten einer Frau entwickelte. Einer Frau, die nie Täterin werden wollte.“

Die Welt: „Die Probleme wuchsen ihr über den Kopf. (...) ‚Wer sein Kind tötet, will im Grunde sich selbst töten. Die Welt ist diesen Frauen unerträglich geworden’, sagt [Anwältin und Psychologin] Annegret Wiese und spricht daher auch von einem erweiterten Suizid. Oft haben diese Frauen eine besonders symbiotische Beziehung zu ihrem Kind, aus dem sie sich selbst nicht lösen können, wenn es älter wird. ‚Sie wollen es vor allem Übel bewahren.’“

Noch mal die Welt: „Damit eine Frau Amok läuft, müssen dem enorme Kränkungen, Demütigungen, Verletzungen vorangegangen sein’, sagt der Kriminalpsychologe Christian Lüdtke.“

Die taz fragt: „Die Amokläuferin von Lörrach hat zuerst ihren Mann erschossen und danach ihren Sohn bewusstlos geschlagen, um ihn dann mit einer Plastiktüte zu ersticken. Warum bringt eine Mutter ihr Kind um?“ Kriminologin Justine Glaz-Ocik antwortet: „So merkwürdig es klingt, aber ein Teil der Täterinnen tut das aus Liebe. Einige der Mütter, die sich das Leben nehmen, fragen sich vorher: Was passiert mit meinem Kind, wenn ich nicht mehr da bin?“ – taz: „Ist das nicht eine narzisstische Haltung?“ – Kriminologin: „Das sehen wir Außenstehende so. Aber diese Täterinnen ticken anders. Sie wollen ihrem Kind Leid ersparen, jetzt und in der Zukunft.“

Wie wird dagegen über männliche Kindsmörder berichtet, die ihren Kindern „Leid ersparen“ möchten? Zum Beispiel so wie in der Berliner Zeitung: „Der Vater hat auch einen seiner Abschiedsbriefe an die Redaktion der Bild-Zeitung geschickt. (...) Darin schrieb der Mann, er habe in voller Verantwortung und bei klarem Bewusstsein aus ‚fürsorglicher Liebe’ gehandelt. Der Mann habe vermutlich an einer krankhaften Ich-Bezogenheit (Narzissmus) gelitten, sagt Isabella Heuser, Direktorin der Charité-Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie. (...) Deshalb habe er nahezu gottgleich über das Schicksal seiner Familie bestimmen wollen. (...) Dass jemand einen Abschiedsbrief an die größte deutsche Boulevardzeitung schickt, spreche für eine hochgradig narzisstische Vorgehensweise. ‚Dieser Mann wollte bekannt werden und sich rechtfertigen. Er wollte die Bühne dieses Lebens mit einem großen Knall und einer kalkulierten Inszenierung verlassen.“

Oder wie in Der Westen (Funke Medien NRW): „Nach dem Tod eines Jungen in Oberhausen stellt sich wie bei der dreifachen Kindstötung in Dortmund die gleiche Frage: Warum? Ein mögliches Motiv: Rache. ‚Das ist ein typisches Grundmotiv’, sagt der Kriminologe Christian Pfeiffer. Männer würden Kinder töten, um ihre Frauen zu bestrafen. ‚Dass Männer sich an Frauen rächen wollen, indem sie ihre Kinder töten, ist ein durchaus typisches Grundmuster.’ (...) Typisch vor allem dann, wenn der Tötende die Frau dafür bestrafen möchte, weil sie nicht so mitspielt, wie er es gerne möchte. (...) Solche Situationen entwickelten sich jedoch nicht in einer funktionierenden Beziehung, sondern in Stress-Situationen oder wenn etwa die Frau ankündige, sie wolle sich trennen. Die Rache für solch eine narzisstische Kränkung sei eine der Ursachen für Kindestötungen.“

Uralte Geschlechterklischees zu bedienen, ist billigster Populismus.


Zum Beispiel: Männliche Opfererfahrung

Die Oe24 (überregionale Tageszeitung aus Österreich) titelt: „Frau reißt Ehemann Hoden ab. Weil ihr Gatte keine Hausarbeit machen wollte, rastete die Frau aus.“ Das Ganze steht in der Rubrik „Kurioses“.

Der Tag24 (Morgenpost Sachsen GmbH): „Schlechter Sex trieb eine 18-jährige Münchnerin zur Weißglut. Nachdem ihr One-Night-Stand sie nicht nach ihren Wünschen befriedigen konnte, ging sie auf ihn los und verletzte den 17-jährigen schwer. (...) Von nun an sollte der junge Mann vielleicht etwas länger darüber nachdenken, wen er mit nach Hause nimmt oder sich beim nächsten Mal einfach ein bisschen mehr anstrengen.“

Und der Blick aus der Schweiz: „Mathelehrerin verführt Schüler (15). Sie brachte ihm das Sexmalsex bei.“

Die Bild-Zeitung fragt angesichts des Zusammenlebens eines 42-jährigen mit einer Minderjährigen: „Was treibt die kleine Anne (15) nur immer wieder in die Arme dieses tätowierten Liebesmonsters? Und warum unternehmen die Behörden nichts?“ Wenn jedoch eine 24-jährtige Lehrerin Sex mit einem 14-jährigen Schüler hat, sieht für dieses Blatt die Sache offenbar anders aus. Dann ist die Täterin nicht nur „Amerikas schönste Lehrerin“ oder ein „Verführungsbiest“, und ihre Übergriffe werden als „Lust-Schule der schönen Lehrerin“ verharmlost, sondern dann nimmt Bild die Tatsache, dass sie künftig nicht mehr als Lehrerin arbeiten darf, zum Anlass für den schlüpfrigen Kommentar: „Das werden viele Schüler in Amerika sicher bedauern.“

Die Amica pathologisiert Boris Becker, der es gewagt hat, die ihm zugefügte häusliche Gewalt öffentlich zu machen. Amica: „Woher kommt dieses Geltungsbedürfnis?“ – [Paartherapeutin] Bärbel Wardetzki: „Er hat bestimmt eine narzisstische Ader entwickelt. Die Sozialisation als Star führt dazu, dass man sich für etwas Besseres hält.“ (...) – Amica: „Andererseits gibt Boris Becker mit Aussagen wie ‚Barbara hat mich geschlagen’, ‚Sandy hat mich nur ausgenutzt’ nicht gerade den selbstbewussten Fraueneroberer. Warum?“ – Wardetzki: „Er stellt sich jedenfalls als Opfer dar. Ich kann nur geschlagen werden, wenn ich mich schlagen lasse. In so einem Fall hätte die Reaktion sein müssen: Du schlägst mich einmal und nicht wieder. Da hilft es nichts, jetzt die Frau zu verteufeln. Sich hinzustellen und zu jammern, ist reines Opferverhalten.“ – Amica: Warum stellt ein Mann sich als Opfer dar? – Wardetzki: Entweder um Mitleid zu erregen oder sich an der Frau zu rächen. Opfer wollen immer gerettet werden. Vor allem aber geht es darum, dass Opfer-Männer keine Verantwortung übernehmen wollen. Das Spiel ist immer ein Drama-Dreieck aus Opfer, Täter und Retter. Das Opfer schiebt alle Schuld auf den Täter und möchte sich mit seinem Anteil nicht auseinandersetzen.“

Dass Männer, die sich für das Selbstbestimmungsrecht von Männern einsetzen, grundsätzlich als rechtsradikal und homophob verunglimpft werden, bedarf wohl keines Beleges mehr. Aus eigener Erfahrung kann ich berichten, wie mit einer feminismuskritischen Gruppe Männer, der ich ebenfalls angehörte, umgegangen wurde, als ein Volontär des Berliner Tagesspiegel auf uns aufmerksam wurde und um ein Interview bat. Er versicherte uns, er betreibe „Qualitätsjournalismus“, der zu differenzieren in der Lage sei. Obwohl das Interview in entspannter Atmosphäre verlief und wir deutlich machten, dass wir Menschen mit unterschiedlichen Ansichten sind und häufig kontrovers diskutieren, wurde im Artikel suggeriert, wir seien verbitterte Männerbündler („Klub“, „Stammtisch“), hinzu kamen Verdrehungen, Unterstellungen und Überschriften, die uns Sätze unterschoben, die nie gefallen waren („Nieder mit dem Matriarchat“). Fehlen durfte auch nicht die übliche Gleichsetzung von Frauen und Feministinnen, als käme jede Kritik am Feminismus automatisch einem Generalangriff auf Frauen gleich. Nicht genug damit, erfand der Journalist auch noch eine „queer-feministisch-orientalische Boygroup“ vor der Tür des Cafés, auf die wir angeblich negativ Bezug genommen hätten, vermutlich, um uns eine Abneigung gegen Minderheiten zu unterstellen. All das sind Fake-News.

(Anschließend habe ich die gekürzte Fassung meines Artikels „Unser täglich Einheitsbrei gib uns heute“ vorgelesen, den ich vor ziemlich genau einem Jahr veröffentlicht habe und der so etwas wie die Quintessenz des eben Gesagten darstellt.)




* Thomas Meyer: Die Unbelangbaren. Wie politische Journalisten mitregieren (Suhrkamp Verlag, Berlin 2015, Seite 26-27)
** Hektor Haarkötter: Wie kommt die Nachricht (nicht) in die Medien? in: Ronald Thoden: ARD & Co: Wie Medien manipulieren, Band 1 (Selbrund Verlag, Frankfurt am Main 2015, Seite 180)
*** zit. nach: Uwe Krüger: Meinungsmacht. Der Einfluss von Eliten auf Leitmedien und Alpha-Journalisten (Herbert von Halem Verlag, Köln 2013, Seite 23)

Dieser Artikel basiert auf einem Vortrag, den ich am 13.5.2017 auf dem Genderkongress in Nürnberg gehalten habe.

Kommentare:

  1. Hab ich hier verlinkt:

    https://jungsundmaedchen.wordpress.com/2017/05/10/medienkritisches-interview-mit-prof-norbert-bolz/

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Vielen Dank für deinen Kommentar. Sobald ich ihn gelesen und geprüft habe, schalte ich ihn frei.

Viele Grüße

Gunnar